Menü
Hausbau / Wohnen

Blackout in der Großstadt: So bereitest du dich auf einen längeren Stromausfall vor – und handelst richtig, wenn es passiert

In Berlin hat man zuletzt gesehen, wie schnell „Strom aus der Steckdose“ keine Selbstverständlichkeit mehr ist: Durch einen Anschlag waren zeitweise viele Haushalte betroffen – inklusive Ausfällen von Heizung, Internet und Teilen der Kommunikation.

Solche Ereignisse sind ein unangenehmer Reality-Check: Wie bereite ich mich auf einen längeren Stromausfall vor – und was tue ich konkret, wenn er eintritt? Die gute Nachricht: Mit überschaubarem Aufwand kannst du dein Zuhause so aufstellen, dass du einige Tage gut überbrückst, ohne in Panik zu geraten.

1) Was bei einem längeren Stromausfall wirklich passiert (und was viele unterschätzen)

Ein Stromausfall ist nicht nur „Licht aus“. Je nach Dauer und Ausmaß können mehrere Systeme gleichzeitig betroffen sein:

  • Heizung & Warmwasser: Auch viele Gas- oder Ölheizungen brauchen Strom für Steuerung und Pumpen; Wärmepumpen ohnehin.
  • Wasser: Wasserwerke und Pumpen benötigen Strom – längerfristig kann die Versorgung eingeschränkt sein.
  • Kommunikation: Mobilfunknetze können ausfallen oder überlasten.
  • Zahlungsverkehr: Kartenzahlung und Geldautomaten funktionieren ggf. nicht.
  • Kühlkette: Kühl- und Gefrierschränke tauen ab – Lebensmittel werden zum Thema.

Die Konsequenz: Plane nicht nur „Licht“, sondern ein kleines Notfall-Set für Essen, Wasser, Wärme, Information und Sicherheit.

2) Die Basis: Vorsorge, die (fast) jeder Haushalt umsetzen kann

A) Stromausfall-„Grundausstattung“ (kleines Budget, große Wirkung)

Licht & Orientierung

  • 2–3 Taschenlampen
  • Stirnlampen (Hände frei = Gold wert)
  • Ersatzbatterien/Akkus (geladen)
  • Kerzen + Streichhölzer/Feuerzeug (mit klaren Brandschutzregeln)

Kommunikation & Information

  • Powerbanks (mindestens eine große, besser zwei; regelmäßig laden)
  • Batterie- oder Kurbelradio für Nachrichten, wenn Internet/Mobilfunk weg sind
  • Wichtige Nummern/Infos auf Papier (Angehörige, Arzt, Vermieter, Netzbetreiber)

Geld & Dokumente

  • Bargeld im Haus (kleine Scheine)
  • Dokumentenmappe: Kopien von Ausweisen, Versicherungen, Notfallkontakte

B) Essen & Trinken: realistisch planen statt „Prepper-Regal“

Wasser

  • Richtwert: mindestens 1,5 Liter pro Person und Tag (plus Wasser zum Kochen)
  • Kanister (lebensmittelecht) und ein paar kleinere Flaschen

Lebensmittel

  • Haltbar, ohne Kühlung essbar, leicht zuzubereiten: Konserven, Hülsenfrüchte, Nüsse, Müsli, Zwieback, Fertiggerichte
  • Denk an: Dosenöffner, Camping-Besteck, Müllbeutel

Kochen ohne Strom

  • Campingkocher (Gaskartuschen) oder Gasgrill draußen (mit sicherem Abstand und Belüftung)

C) Kühlakku im Gefrierfach – ja! Und noch ein paar starke „Kühlkette“-Tricks

Deine Idee mit Kühlakkus ist super – noch besser:

  • Gefrierfach möglichst voll halten (z. B. mit eingefrorenen Wasserflaschen). Voll = hält länger kalt.
  • Bei Ausfall: Tür geschlossen lassen und nicht „mal kurz gucken“.

Als grobe Orientierung (abhängig von Gerät und Umgebung):

  • Kühlschrank hält bei geschlossener Tür meist einige Stunden durch.
  • Gefriertruhe hält deutlich länger – besonders wenn sie voll ist.

3) Wohnung vs. Haus: Was du jeweils zusätzlich beachten solltest

Wenn du in einer Wohnung lebst (Mehrfamilienhaus)

Typische Schwachstellen

  • Aufzug fällt aus → Stirnlampe wichtig
  • Gegensprechanlage/Schließsysteme können betroffen sein (je nach Technik)
  • Zentralheizung und Warmwasser: Abhängig vom Gebäude

Sinnvolle Extras

  • Kleine „Treppenhaus-Tasche“: Stirnlampe, Powerbank, Schlüssel, Handschuhe
  • Absprachen im Haus: Wer braucht Hilfe (Ältere, Familien, Pflegebedürftige)?
  • Wenn du über Generator/Powerstation nachdenkst: Hausordnung, Lärm, Abgase, Brandschutz beachten.

Wenn du in einem Haus wohnst (Einfamilienhaus/DHH)

Typische Schwachstellen

  • Heizungspumpe/Regelung
  • Keller: Sumpfpumpe/Drainage
  • Elektrisches Garagentor (Notentriegelung prüfen)
  • Router, Smart-Home, Torantrieb, Alarmanlage

Sinnvolle Extras

  • Mechanische Notentriegelung am Garagentor testen
  • Für kritische Verbraucher überlegen: Notstromlösung (Generator oder große Powerstation)

4) Notstromaggregat – lohnt sich das?

Ein mobiles Notstromaggregat kann im Eigenheim sehr hilfreich sein – wenn du es richtig einsetzt.

Realistische Erwartung: Was willst du damit betreiben?

Für viele Haushalte reicht „kritische Infrastruktur im Kleinen“:

  • Heizung/Umwälzpumpe & Steuerung (wenn technisch möglich)
  • Kühlschrank (Kühlkette stabilisieren)
  • Router/Handy-Laden
  • 1–2 Lichtquellen / Ladegeräte

Zwei große Sicherheitsfallen

1) Kohlenmonoxid (CO) – Lebensgefahr

Generatoren, Grills und alle Geräte mit Verbrennung nie in Innenräumen, nie in Kellern, Treppenhäusern, Garagen oder direkt an offenen Fenstern/Türen betreiben. Immer draußen, mit Abstand und guter Luftzirkulation.

2) „Backfeeding“ ins Hausnetz – brandgefährlich

Einen Generator über eine Steckdose ins Hausnetz „einzuspeisen“ ist gefährlich und kann Menschen und Geräte schädigen. Wer Hausstrom einspeisen will, braucht eine fachgerechte Umschaltlösung durch Profis.

Leihen statt kaufen?

  • Leihen kann klappen – aber nur, wenn du Aufstellung, Kabel, Last, Sprit, Geräusch und Sicherheit im Griff hast.
  • In echten Lagen sind Aggregate schnell vergriffen. Vorsorge schlägt Spontankauf.

5) Wenn der Strom ausfällt: Konkretes Vorgehen in den ersten 60 Minuten

  1. Ruhe bewahren – und kurz verifizieren
  • Sicherung/Fi-Schalter prüfen
  • Nachbarn fragen: nur deine Wohnung oder ganze Straße?
  1. Empfindliche Geräte schützen
  • Herd/Backofen aus
  • Wenn möglich: empfindliche Elektronik vom Netz nehmen (Schutz vor Spannungsspitzen beim Wiederkehren)
  1. Kühlkette sichern
  • Kühlschrank/Gefrierfach geschlossen lassen
  • Kühlakkus/Kühlbox bereitlegen
  1. Kommunikation clever nutzen
  • Akku sparen: Energiesparmodus, Display dunkler
  • Telefonate kurz halten (Netze können überlasten)
  • Radio nutzen, falls vorhanden
  1. Sicherheit im Haushalt
  • Kerzen nur stabil und auf feuerfestem Untergrund, nie unbeaufsichtigt
  • Stolperfallen vermeiden (Treppen, Kinder, Haustiere)

6) Wärme, Heizung, Wärmepumpe – was wird wann kritisch?

Grundregel: Wärme im Haus halten

  • Türen schließen, in weniger Räume gehen
  • Schichtenprinzip: Thermowäsche, Pulli, Mütze, Decken/Schlafsäcke
  • Ein Raum als „Wärmestube“: kleiner Raum, gemeinsam nutzen

Wärmepumpe speziell (und die Frostfrage)

Bei Wärmepumpen kann bei längerem Stromausfall im Winter ein Frostrisiko entstehen – vor allem, wenn wasserführende Teile außerhalb oder in kalten Zonen liegen und Pumpen/Regelung stillstehen.

Praxisnaher Ansatz

  • In Unterlagen/Handbuch nachsehen: Gibt es einen Frostschutzmodus, Frostschutzventile, Notentleerung?
  • Mit dem Fachbetrieb klären: Welche Maßnahmen sind für deine Anlage vorgesehen (z. B. Dämmung, Frostschutz, Entleerungspunkte)?
  • Im Ereignisfall lieber strukturiert dokumentieren (Fehlercodes, Temperaturen, Druck) statt hektisch umzuschalten.

Rohre & Einfrieren: einfache Vorbeugung

  • Wenn Räume auskühlen: Schranktüren an Außenwänden öffnen (Wärme an Leitungen)
  • Zugluft stoppen, kritische Leitungsbereiche warm halten
  • Wenn absehbar lange und sehr kalt: Wasser absperren/entleeren nur, wenn du weißt, wie es fachgerecht geht

7) Wenn es länger dauert: Alltag organisieren (Tag 1–3 und darüber hinaus)

Prioritäten setzen

  1. Gesundheit/Medikamente
  2. Wärme
  3. Wasser
  4. Information
  5. Essen & Hygiene

Für Haushalte mit Pflege/Medizingeräten

  • Ersatzakkus, Notfallplan, Kontaktliste
  • „Was tue ich, wenn Gerät X nicht läuft?“ vorher klären

Nachbarschaft & Hilfe

  • Austausch im Haus/der Straße: Wer hat was? Wer braucht Unterstützung?
  • Lokale Anlaufstellen/Wärmestuben können je nach Lage eingerichtet werden – Infos über Radio/Behördenkanäle verfolgen.

8) Mini-Checkliste: Dein Stromausfall-Set in 30 Minuten

✅ 2 Powerbanks + Ladekabel, regelmäßig geladen

✅ Taschenlampe + Stirnlampe + Batterien

✅ Kerzen/Streichhölzer + sicherer Kerzenhalter

✅ Batterie-/Kurbelradio

✅ Wasser & haltbare Lebensmittel (mind. 3 Tage, besser mehr)

✅ Dosenöffner, Campingkocher + Brennstoff (falls möglich)

✅ Bargeld (kleine Scheine)

✅ Kühlakku / gefrorene Wasserflaschen im Gefrierfach

✅ CO-Warnmelder (wenn du mit Verbrennung heizt/kochst) und: Generator/Grill niemals innen

Fazit

Ein längerer Stromausfall ist unangenehm – aber er muss nicht im Chaos enden. Wer Licht, Information, Wasser, Essen, Wärme und ein Minimum an Energie vorbereitet, bleibt handlungsfähig. Der Berliner Vorfall zeigt, wie real solche Situationen sind – und wie schnell auch „mitten in der Großstadt“ vieles gleichzeitig ausfallen kann.

Wenn du möchtest, erstelle ich dir daraus auch eine druckfertige 1-Seiten-Checkliste (Wohnung vs. Haus getrennt) – zum Ausdrucken für den Sicherungskasten.

Keine Kommentare

    Lassen Sie eine Antwort