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Hausbau

DIY oder Fachbetrieb? Wann sich Selbermachen wirklich lohnt – und wann nicht

Selbermachen liegt im Trend. Ob durch YouTube-Tutorials, DIY-Blogs oder Social Media – noch nie war es so einfach, Anleitungen für Reparaturen, Renovierungen oder kleine Umbauten zu finden. Das Versprechen klingt verlockend: Geld sparen, unabhängig sein, stolz auf das eigene Werk.

Doch nicht jedes Projekt eignet sich für Heimwerker. Manche Arbeiten sind unkompliziert und schnell erledigt, andere bergen versteckte Risiken – technisch, finanziell oder sogar sicherheitsrelevant. Wer die Grenzen kennt, spart am Ende nicht nur Geld, sondern auch Ärger.

Dieser Artikel hilft dir, realistisch einzuschätzen, wann sich DIY wirklich lohnt – und wann es klüger ist, einen Fachbetrieb zu beauftragen.


Warum Selbermachen oft sinnvoll ist

Heimwerken ist keineswegs grundsätzlich riskant. Im Gegenteil: Viele Arbeiten lassen sich mit etwas Vorbereitung, Geduld und geeignetem Werkzeug problemlos selbst umsetzen.

Kosten sparen bei einfachen Arbeiten

Typische Projekte, die sich gut für Heimwerker eignen:

  • Wände streichen oder tapezieren
  • Möbel aufbauen oder umbauen
  • Silikonfugen erneuern
  • Duschkopf oder Perlator austauschen
  • Regale montieren
  • kleinere Ausbesserungen an Putz oder Farbe

Diese Arbeiten sind in der Regel:

  • überschaubar
  • reversibel
  • technisch nicht komplex
  • mit geringem Schadenspotenzial verbunden

Hier übersteigen die Arbeitskosten eines Fachbetriebs oft den tatsächlichen Aufwand – Selbermachen lohnt sich also.


Kleine Reparaturen im Haushalt

Auch einfache Reparaturen gehören in den DIY-Bereich:

  • tropfender Wasserhahn (Dichtung wechseln)
  • verstopfter Abfluss oberflächlich reinigen
  • Türscharniere nachziehen
  • Schubladen neu justieren
  • lose Steckdosenabdeckung befestigen
  • defekte Dichtungen am Kühlschrank ersetzen

Solche Arbeiten erfordern meist kein Spezialwissen, sondern sorgfältiges Vorgehen. Wer hier selbst aktiv wird, gewinnt Erfahrung und spart Servicekosten.


Wann Heimwerken riskant wird

Die Grenze zwischen sinnvoller Eigenleistung und gefährlichem Eingriff ist oft technisch – nicht optisch. Alles, was in tragende, stromführende, wasserführende oder gasbetriebene Systeme eingreift, sollte besonders kritisch bewertet werden.


Arbeiten an Wasserleitungen

Wasser ist einer der häufigsten Verursacher teurer Folgeschäden. Problematisch sind vor allem:

  • Arbeiten an verdeckten Leitungen
  • Austausch von Mischbatterien bei komplexer Installation
  • Veränderungen an Abwasserleitungen
  • Neuverlegung von Rohren
  • Abdichtungen hinter Fliesen

Ein falsch gesetzter Dichtungsring oder eine minimal undichte Verbindung kann zu:

  • Schimmelbildung
  • Durchfeuchtung von Wänden
  • Schäden an Nachbarwohnungen
  • Versicherungsproblemen

führen.

Oberflächliche Arbeiten sind meist unkritisch – Eingriffe ins Leitungssystem sollten jedoch gut überlegt sein.


Elektrik und Strom

Arbeiten an elektrischen Anlagen sind nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern potenziell lebensgefährlich.

Problematische Bereiche:

  • Herdanschlüsse
  • Sicherungskasten
  • neue Stromkreise
  • Unterputzleitungen
  • Durchlauferhitzer

Schon kleine Fehler können:

  • Kurzschlüsse
  • Kabelbrände
  • Stromschläge
  • Versicherungsverlust

verursachen.

In Deutschland dürfen viele elektrische Arbeiten ausschließlich von Fachkräften durchgeführt werden.


Gas- und Heiztechnik

Hier gibt es keine Grauzone:
Arbeiten an Gasleitungen oder Heizungsanlagen gehören in professionelle Hände.

Fehler können zu:

  • Gasaustritt
  • Explosion
  • CO-Vergiftung
  • Totalschäden

führen.


Haushaltsgeräte reparieren

Das Internet ist voll von Reparaturanleitungen für Waschmaschinen, Geschirrspüler oder Backöfen. Doch hier gilt:

  • Garantie kann erlöschen
  • Ersatzteile sind nicht immer original
  • Sicherheitsmechanismen können beeinträchtigt werden

Bei älteren Geräten lohnt sich Reparatur oft – bei neueren Geräten sollte sorgfältig abgewogen werden.


6 Fragen, die du dir vor jedem DIY-Projekt stellen solltest

Eine realistische Selbsteinschätzung verhindert die meisten Fehler.

  1. Habe ich das richtige Werkzeug – oder improvisiere ich?
  2. Verstehe ich die technische Funktionsweise wirklich?
  3. Was passiert im schlimmsten Fall?
  4. Ist das Projekt reversibel?
  5. Wie hoch ist der mögliche Folgeschaden?
  6. Spare ich wirklich Geld – inklusive meiner Zeit?

Wenn mehrere Antworten unsicher ausfallen, ist professionelle Unterstützung sinnvoll.


Kostenvergleich: DIY vs. Fachbetrieb

Selbermachen wirkt günstiger – ist es aber nicht immer.

DIY-Kosten

  • Material
  • Werkzeuganschaffung
  • Zeitaufwand
  • mögliche Fehlerkosten
  • eventuelle Nachbesserung durch Fachbetrieb

Fachbetrieb

  • klare Kalkulation
  • Gewährleistung
  • fachgerechte Ausführung
  • Versicherungsschutz
  • Zeitersparnis

Ein vermeintlich gespartes Honorar kann sich durch einen Wasserschaden oder Installationsfehler schnell vervielfachen.


Die goldene Regel beim Heimwerken

Kosmetik selbst – Technik dem Profi.

  • Oberflächenarbeiten → DIY
  • Mechanische Kleinigkeiten → DIY
  • Tragende, wasserführende oder stromführende Systeme → Fachbetrieb

Wer diese einfache Regel beherzigt, minimiert Risiken erheblich.


Fazit

Heimwerken ist sinnvoll, wenn:

  • die Arbeit überschaubar ist
  • keine sicherheitsrelevanten Systeme betroffen sind
  • Schäden begrenzt bleiben
  • ausreichend Wissen und Werkzeug vorhanden sind

Es ist nicht sinnvoll, wenn:

  • versteckte Technik betroffen ist
  • hohe Folgeschäden möglich sind
  • gesetzliche Vorschriften greifen
  • Versicherungsschutz gefährdet ist

Selbermachen sollte nicht vom Ehrgeiz gesteuert werden, sondern von einer realistischen Einschätzung des Risikos. Wer klug entscheidet, spart nicht nur Geld – sondern auch Nerven.


FAQ

Ist es günstiger, einen Handwerker zu beauftragen?
Nicht immer – aber bei komplexen Arbeiten ist der Fachbetrieb oft langfristig günstiger, weil Fehler vermieden werden.

Was darf ich als Mieter selbst reparieren?
Kleinreparaturen sind meist erlaubt. Eingriffe in die Gebäudetechnik sollten mit dem Vermieter abgestimmt werden.

Wann zahlt die Versicherung bei einem Wasserschaden nicht?
Wenn der Schaden durch grob fahrlässige oder unsachgemäße Eigenleistung entstanden ist.

Darf ich selbst Wasserleitungen verlegen?
Technisch möglich, aber bei Fehlern haftest du selbst. In Mietobjekten ist es in der Regel nicht erlaubt.

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